{"id":365,"date":"2016-02-15T13:44:43","date_gmt":"2016-02-15T11:44:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/?p=365"},"modified":"2016-02-16T11:35:10","modified_gmt":"2016-02-16T09:35:10","slug":"reichlich-stoff-zum-erzaehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/reichlich-stoff-zum-erzaehlen\/","title":{"rendered":"Reichlich Stoff zum Erz\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag.jpg\" rel=\"attachment wp-att-375\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-375\" src=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag-300x300.jpg\" alt=\"axelsson_vortrag\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_vortrag.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die schwedische Autorin Majgull Axelsson war am 13. J\u00e4nner 2016 zu Gast am Institut f\u00fcr Skandinavistik der Universit\u00e4t Wien und sprach \u00fcber das Schreiben an sich, ihre Biografie und einige ihrer Werke.<\/strong><\/p>\n<p>Die 1947 geborene Autorin arbeitete 20 Jahre lang als Journalistin, &#8222;ganz durchschnittlich&#8220;, wie sie selbst fand, bis sie beschloss, diese &#8222;langweilige Art zu schreiben&#8220; hinter sich zu lassen und sich dem Schreiben von\u00a0Belletristik zu widmen. \u00dcber eine journalistische Publikation zum Thema Kinderarbeit wurde sie auf das Thema Kinderprostitution aufmerksam. Bei Recherchen auf den Philippinen lernte sie das M\u00e4dchen Rosario kennen, dessen Geschichte auf rein faktischem Niveau nicht darstellbar war. Sein Leben und Sterben waren f\u00fcr Axelsson ein Stoff, der erz\u00e4hlt werden musste. \u00a0<a href=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_rosario.jpg\" rel=\"attachment wp-att-378\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-378\" src=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_rosario-225x300.jpg\" alt=\"axelsson_rosario\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_rosario-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_rosario-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>So entstand der dokumentarische Roman &#8222;Rosario \u00e4r d\u00f6d&#8220; (dt. &#8222;Rosarios Geschichte&#8220;). Die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema, Rosario arbeitet als Kinderprostituierte und stirbt nach einer Verletzung, die ihr ein Freier zuf\u00fcgt, qualvoll, war hart, aber das literarische Schreiben fiel Axelsson leichter. Sie beschloss, Vollzeitautorin zu werden; nicht weil das Buch sich so gut verkaufte, aber weil sie es sich mit Unterst\u00fctzung durch ihren Mann doch irgendwie leisten konnte. Es entstand der erste rein fiktive Roman &#8222;L\u00e5ngt borta fr\u00e5n Nifelhjem&#8220; (1994, dt. &#8222;Der gleiche Himmel&#8220;), in dem eine Frau Anfang 40 nach Hause nach Schweden an das Totenbett ihrer Mutter reist und sich nicht nur mir ihrer Kindheits- und Jugendzeit\u00a0konfrontiert sieht, sondern auch mit dem, was ihr nicht lang zuvor w\u00e4hrend eines Vulkanausbruchs auf den Philippinen zugesto\u00dfen ist, das sie aber noch verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Axelsson sprach\u00a0in ihrem Vortrag in Wien sehr offen \u00fcber ihren privaten Hintergrund und wie dieser immer wieder bedeutsam f\u00fcr ihr literarisches Schaffen war. So erz\u00e4hlte sie, wie eine\u00a0Alzheimererkrankung ihren Vater und ein Gehirntumor ihre Schwester stark ver\u00e4nderten und sie das in ihren Roman <a href=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_aprilhexe.jpg\" rel=\"attachment wp-att-376\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-376\" src=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_aprilhexe-225x300.jpg\" alt=\"axelsson_aprilhexe\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_aprilhexe-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_aprilhexe-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>&#8222;Aprilh\u00e4xan&#8220; (1997, dt. &#8222;Die Aprilhexe&#8220;) einflie\u00dfen lie\u00df. Zentrale Figur des Romans ist Desir\u00e9e, die in den 1950er Jahren mit einer schweren Behinderung geboren wird und sofort in ein Heim kommt. 40 Jahre sp\u00e4ter erhalten ihre drei (Pflege-)Schwestern einen Brief von ihr. Desir\u00e9e versucht herauszufinden, wer von den dreien ihr Leben gestohlen hat. Doch wie der Roman eindr\u00fccklich darstellt, gibt es nicht nur darauf keine Antwort, vielmehr sind die Leben der Frauen alle auf eine Art verkorkst, dass man mit keiner tauschen m\u00f6chte.\u00a0Neben den Schicksalen der Protagonistinnen wird auch das schwedische Volksheim demontiert. \u00a0&#8222;Die Aprilhexe&#8220; brachte Axelsson den gro\u00dfen Durchbruch, der Roman wurde zum Bestseller und u.a. mit dem prestigetr\u00e4chtigen Augustpreis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Nach dem gro\u00dfen Erfolg &#8222;kam die gro\u00dfe Depression&#8220; und es war schwierig, den Anschluss im Schreiben zu finden. Es dauerte viele\u00a0B\u00fccher lang, meint\u00a0Axelsson, bis sie wieder einen Stoff fand, \u00fcber den noch nicht viel geschrieben worden war und der ihr so richtig nahe ging. Damit spielt sie an ihren neusten Roman &#8222;Jag heter inte Miriam&#8220; (2014, dt. &#8222;Ich hei\u00dfe\u00a0nicht Miriam&#8220;) an, der vom Umgang <a href=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam.jpg\" rel=\"attachment wp-att-377\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-377\" src=\"http:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam-300x300.jpg\" alt=\"axelsson_miriam\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.nordstein.at\/literatur\/wp-content\/uploads\/axelsson_miriam.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Schwedens mit der Minderheit der Roma handelt. Die Hauptfigur Miriam bekommt zu ihrem 85. Geburtstag ein Armband mit ihrem eingravierten Namen geschenkt und kommentiert das \u00fcberrascht mit: &#8222;Ich hei\u00dfe nicht Miriam&#8220;. Ihre Verwandten wissen nicht recht, ob sie richtig geh\u00f6rt haben und der Moment geht vorbei. Doch Miriams Enkelin l\u00e4sst der Vorfall keine Ruhe und sie fragt nach. Die Geschichte, die sei dann zu h\u00f6ren bekommt, geht \u00fcber die Grenzen des Vorstellbaren. Miriam, eine J\u00fcdin, die mehrere KZ \u00fcberlebt hat, wie alle meinen, hat schon im Lager durch Zufall eine andere Identit\u00e4t angenommen. Denn eigentlich hei\u00dft sie Malika und ist Roma. Sie \u00fcberlebt, kommt nach Schweden und muss feststellen, dass sie als Roma auch hier nicht sicher w\u00e4re und so bleibt sie Miriam.<\/p>\n<p>Der Roman schildert in vielen R\u00fcckblenden Miriams Geschichte und was das in der Gegenwart f\u00fcr die alte Frau bedeutet. So werden auch weitgehend unbekannte geschichtliche Ereignisse benannt, wie z.B. der Widerstand von Roma-H\u00e4ftlingen in Ausschwitz oder die sog. &#8222;Zigeunerkrawalle&#8220; in der schwedischen Kleinstadt J\u00f6nk\u00f6ping 1948. Roma wurden in Schweden lange Zeit diskriminiert, durften sich z.B. nirgends niederlassen. Ein Aspekt schwedischer Geschichte, der noch nicht aufgearbeitet ist.\u00a0Der Roman \u00fcber Miriam ist fiktiv. Axelsson stie\u00df bei ihren Recherchen vielfach noch auf be\u00e4ngstigtes Schweigen. Einige pers\u00f6nliche Reaktionen nach Ver\u00f6ffentlichung des Buches zeigten ihr jedoch, dass die Fiktion nicht weit von realen\u00a0Lebensgeschichten weg ist, dass die Betroffenen aber immer noch vorziehen, anonym zu bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erw\u00e4hnte Romane:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Majgull Axelsson: Rosario \u00e4r d\u00f6d.<\/strong> 1989. dt. Ausgabe &#8222;Rosarios Geschichte&#8220; 2002.<\/p>\n<p><strong>Majgull Axelsson:\u00a0L\u00e5ngt borta fr\u00e5n Nifelhjem.<\/strong> 1994. dt. Ausgabe &#8222;Der gleiche Himmel&#8220; 2004.<\/p>\n<p><strong>Majgull Axelsson: Aprilh\u00e4xan.<\/strong> 1997. dt. Ausgabe &#8222;Die Aprilhexe&#8220; 2000.<\/p>\n<p><strong>Majgull Axelsson: Jag heter inte Miriam.<\/strong> 2014. dt. Ausgabe &#8222;Ich hei\u00dfe nicht Miriam&#8220; 2015.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schwedische Autorin Majgull Axelsson war am 13. J\u00e4nner 2016 zu Gast am Institut f\u00fcr Skandinavistik der Universit\u00e4t Wien und sprach \u00fcber das Schreiben an sich, ihre Biografie und einige ihrer Werke. 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